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Rio Gallegos Roman

December 23, 2011

Dann fasse ich meinen bisherigen Aufenthalt hier in Rio Gallegos einmal etwas zusammen.

Zunaechst war am Busbahnhof das bestellte Taxi nicht aufzufinden. Also hab ich mir vollgepackt bis obenhin ein remise genommen. Das sind irgendwie Taxis in Form normaler Autos. Das System habe ich bisher auch noch nicht ganz verstanden, angeblich nehmen die Einheimischen lieber so etwas.

Auf dem Weg zum Hotel und dort angekommen war ich nach den Tagen in Calafate, was ungefaehr so lieblich und nett aussieht wie Banff in Kanada, im ersten Augenblick tatsaechlich etwas konsterniert. Anbei der Blick aus meinem Fenster….und ich wohne hier in einem schoenen Stadtteil.

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Ich habe dann eingecheckt und dabei erst einmal gar nichts verstanden. In Calafate und Chalten ist fast alles auch in Englisch machbar, wer jemals nach Gallegos kommt sollte das hier nicht unbedingt erwarten. Das hiesige Spanisch kann man auch wohl kaum in der Schule lernen. Naja, nach einigem hin und her und viel Gestikulieren war klar: Ich bin hier, um bis zum 25. zu bleiben (obwohl ich da beim Einchecken gewisse Zweifel bekommen hatte) und das bestellte Zimmer ist auch nicht vergeben. Noch bevor Zeit bleibt ins Zimmer zu gehen ruft auch schon Hugo, der Guide, an fragt ob ich gut angekommen bin und ob er ins Hotel kommen soll. Ich muss mich erstmal etwas sammeln und wir verabreden, dass wir uns am naechsten Tag treffen. Dann habe ich mein Zimmer bezogen und anschliessend einen Ausflug ins Zentrum unternommen. Was soll ich sagen, das hier ist wirklich nicht fuer Touristen gemacht worden. Zurueck im Hotel ruft Hugo nochmal an um zu sagen, dass er doch noch vorbeikommt. Wir sind noch einmal ins Zentrum gefahren, haben ein Bier zusammen getrunken und verabredet am naechsten Tag um 8:00 nach Bellavista zu fahren. Das ist eine Estancia, also ein riesiges Stueck Privatranch (ca. Luxemburg) ungefaehr 100km entfernt.

Bellavista
Die Landschaft ist unheimlich schoen dort und ich habe einige toll gezeichnete Forellen gefangen. Leider gibt es nur dieses eine Foto. Das Mittagessen war mit Treibholz gegrilltes Lamm inkl. Niere. Das moegen hier alle sehr gerne, hatte ich bereits zwei Abende zuvor in der Parilla in Calafate (kleiner Nachtrag fuer Karsten: es gab da mixed grill a la gaucho, also neben dem Bife auch diese komische Druese vom Rind deren Name mir gerade nicht einfaellt, Niere und Leber vom Lamm sowie geknotete Lammdaerme. Also bitte keine Beschwerden mehr, dass ich hier irgendeine der lokalen Koestlichkeiten auslassen wuerde. Vielleicht klingt es etwas komisch, aber geschmacklich hervorragend). Wir haben bis 23:00 gefischt un waren schliesslich um 01:30 wieder in Gallegos. Die Fotos aus Buenavista kennt ihr bereits.

Rio Gallegos Guer Aike
Wir treffen uns wieder am Hotel um 08:30 und fahren endlich zum Fischen auf die legendaeren Searun Brown Trouts.

Kurz zur Erklaerung an alle Nichtfischer. Das sind die gleichen Bachforellen, eigentlich die amerikanische Form, eben Brown Trout, die normalerweise im Fluss leben. Allerdings zieht ein Teil der Fische dann ins Meer und benimmt sich wie ein Lachs. Sie werden ganz silber und kommen nur noch zum Laichen in die Fluesse zurueck. Da es im Meer aber ungleich mehr Nahrung gibt werden sie riesengross. Das gibt es in dieser Form nur in Argentinien.

In Bellavista waren sie noch nicht, da sie erst gerade anfangen, aufzusteigen und daher noch in der Naehe des Meeres im Fluss sind.

Wir fahren also an einen Teil des Flusses in Meernaehe. Die allgemeinen Bedingungen zum Fischen sind ueberaus schlecht erfahre ich. Zu wenig Wasser und zu frueh, erst sehr wenige Fische im Fluss. Dazu kommt, dass ich dachte, einigermassen geschickt im Umgang mit der Fliegenrute zu sein. Das relativiert sich allerdings entscheidend, wenn einem 60 oder mehr Stundenkilometer Wind im Gesicht stehen. Fazit: Werfen geht fast ueberhaupt nicht (obwohl Hugo das irgendwie doch zu Wege bringt) keine Fische. Wir fahren ohne einen einzigen Biss wieder heim. Ich bin etwas mehr als ein wenig frustriert.

Der naechste Tag. Zu den bereits geschilderten Widrigkeiten kommt ein weitere hinzu. Die beste Zeit zum Fischen ist das Morgengrauen. Da wir hier sehr weit im Sueden sind findet das leider bereits um kurz nach 04:00 statt. Also geht es nach drei Stunden Schlaf wieder los. Fischereilich gesehen hat sich die Situation dadurch immer noch nicht verbessert, zumindest kann ich nach etwas Einweisung leidlich im Wind werfen. Zum Mittag fahren wir zurueck in die Stadt, um abends (die zweitbeste Zeit) weiter zu fischen. Am Ende des Tages bin ich sicher, die Forellen auf den Fotos werden mit dem Netz gefangen und den Fischern fuer das Foto ausgehaendigt. Bestimmt bringt mir Hugo morgen meine Fotoforelle mit…

Gestern. Wie gesagt, die beste Zeit ist das Morgengrauen. Es geht wieder um 04:00 los. Wir sind an einem Pool wo man am Tag zuvor bereits Fische springen sah. Und unfassbar. Mit dem ersten gelungenen Wurf des Tages fange ich eine. Das Aufstehen hat sich ja doch gelohnt. Mittags geht es wieder zurueck, leider ohne weiteren Erfolg. Am Abend fuehle ich mich leicht krank und irgendwie komplett ausgelaugt. Ich sage Hugo, dass ich diesen Abend nicht mehr fischen moechte und dass mir fuer den naechsten Tag 05:00 reicht. Um 22:00 liege ich im Bett und kann kaum fassen, dass die Nacht bereits vorbei ist als der Wecker um 04:40 klingelt.

Heute. Wir treffen uns um 05:00. Ich muss bevor es an den Fluss geht erst noch in die Apotheke. Nach drei Tagen Extremwind und stellenweise sehr intensiver Sonnenbestrahlung spuere ich ein Kribbeln in der Oberlippe. Super, ein Herpes ist genau das was man hier braucht. In der riesigen Reiseapotheke von BMW, die ich mit mir rumtrage fehlt ausgerechnet Zovirax und ich hab auch nicht mehr daran gedacht. Leider ist Zovirax auch nicht der argentinische Handelsname und der Apotheker will mir irgendwelche Pillen verkaufen (gesucht ist eine Salbe zum Auftragen auf die Lippen). Zum Glueck faellt mir noch ein, dass der Wirkstoff irgendwie Acyclovir oder so heisst und siehe da, das kannte er ­čÖé So ich bin versorgt, alles wieder gut und auch kaum noch muede. Es geht also weiter. Heute sind die Bedingungen angeblich sehr viel besser, es ist verhangen, recht kuehl und im Ozean sehr hohe Flut. Dann kommen die Fische aus dem Meer in den Fluss. Gleiche Stelle wie am Vortag, dritter Wurf … Grandios…

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Ich schreib und schreib und habe ganz die Zeit vergessen, es ist 22:30, Abendessen ruft. Zeitmaessig bin ich wohl schon ein kleiner Argentinier geworden. Ausserdem bin ich hellwach trotz des fehlenden Mittagsschlafs (Einkaufen und mit ganz vielen Leuten reden, das ist hier Volkssport Nummer 2 nach Fussball, supernett). Das liegt wohl am Mate, den ich die ganze Zeit waehrend ich schreibe trinke.

Ich komm mal zum Ende. Fischereilich ist der Tag noch viel perfekter geworden, ich habe noch einen ca. 9-10 kg wiegenden Milchner sprich ein maennliches Tier gefangen. Hier sagen sie deutlich cooler “un macho” dazu.

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Dann haben wir noch einem sehr netten Hund das Leben gerettet, der uns bereits die letzten beiden Tage immer wieder begegnet ist und dem wir Teile unseres Fruehstuecks ueberlassen haben. Die Stelle an der wir Fischen ist ca. 30 km vor der Stadt, da ist so eine Art Wallfahrtsort und eine Estancia, wo man ihn wohl ausgesetzt hat. Die Leute von der Estancia haetten ihn bald erschossen (wegen der Angst um die Schafe) oder er waere verhungert, extrem duerr war er bereits. Wir haben ihn auf die Ladeflaeche von Hugos Pickup gepackt und zurueck in die Stadt verfrachtet. Man muss dazu wissen, dass es da vor streunenden Hunden wirklich wimmelt. Das System funktioniert so, dass die Hunde einfach herumrennen und ihnen jemand Futter gibt, sich aber ansonsten nicht kuemmert. Hugo wollte ihm auch Futter hinstellen, damit er fuer die ersten Tage weiss wo er was bekommen kann. Er hat es aber vorgezogen, von der Ladeflaeche zu springen, uns kurz anzugucken und dann fortzugehen. Mal sehen, ob er sich noch einmal blicken laesst.

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Jetzt ist wirklich genug fuer heute, morgen geht es noch einmal zum Fischen und dann bin ich zum Weihnachtsessen eingeladen.
Was soll ich sonst noch sagen, ich versteh die Leute mittlerweile hier, nachdem ich seit meiner Ankunft nur noch Spanisch geredet habe und ich habe sehr viele sehr nette Bekanntschaften gemacht. Ich finde es vollkommen normal, dass ueberall Hunde rumrennen und die Stadt das Rennen um das schoenste Dorf nie machen wird. Heute habe ich gelernt, wie man einen Mate richtig zubereitet und der Junior vom Hotel ist bei Bild vom letzten Fang neidisch geworden. Mir gehts fantastisch, vielleicht bleibt morgen noch Zeit die ein oder andere Nichtfischanekdote niederzuschreiben, das ist fuer die meisten bestimmt interessanter, aber wo das Herz von voll ist ­čśë . Wenn nicht, Euch allen ein Frohes Fest.

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From → Argentinien

11 Comments
  1. Frank permalink

    Wir wollen nur fischkommentare. Habe gerade beim weihnachtseinkauf unseren Nachbarn getroffen. Ich sagte, du seiest in Argentinien, woraufhin er erwiderte: das ist schon immer mein Traum. Ich bin n├Ąmlich begeisterter fliegenfischer.
    Frohes fest und bis sp├Ąter
    Frank

  2. Frank permalink

    Von Vincent und mir auch schon mal frohe Weihnachten!!! Frank und Rafa ruhen sich vor der Tannenbaum- und Geschenkeschlacht aus. Wir wollen noch mehr Fische und mehr Hunde mit Knickohren!!!

  3. Simona permalink

    Wieso poste ich hier als Frank??? Sehr seltsam…

  4. Hallo Rolf!

    Wir schicken Dir liebe Weihnachtsgr├╝├če aus Ginderich –
    Gitta und Robert, Eva und Clemens mit Arne und Beeke, Jutta und Lars

  5. Tom permalink

    Hola Sportsfreund, herzlichen eren Ende der Welt Fische erschreckst, w├╝hle ich mich hier gerade durch die letzten Keksdosen. ­čśë Danke f├╝r die grandiosen Eindr├╝cke, die du in deine Blogs packst – und die atemberaubenden Bilder sowieso… *sabber*
    Genie├č weiterhin dein Abenteuer und schnapp dir einen fetten Burzeltagsfisch!
    cheerio, el Tom

  6. cschmoll permalink

    Felicitaciones!

    • cschmoll permalink

      Ach so, ja, inhaltlich liegen bei Vincent II. auch Fische und Hunde gleich auf, die Begeisterung f├╝r Berg- und Gletscherbilder l├Ąsst hingegen zu w├╝nschen ├╝brig, die finde ich daf├╝r gro├čartig, w├Ąhrend ich in meinem Leben schon sehr viele “Rolf mit gewaltigem Fisch”-Bilder sah. Aber man muss ja f├╝r eine breite und gemischte Zielgruppe schreiben, um ausreichend Klickzahlen zu generieren, um den Urlaub via Bannerwerbung mit einem leichten Plus abschlie├čen zu k├Ânnen ­čśë

      • cschmoll permalink

        Und au├čerdem ist das eine feine Sache, hier so mit Dir zu reisen. Und jetzt wo ich Deine Posts auch nicht mehr nebenbei in irgendwelchen unendlich langweiligen Sitzungen, sondern morgens im Bett in Tirol vor’m Skifahren lesen kann, macht das Ganze

  7. cschmoll permalink

    …auch gleich doppelt Spa├č!

  8. juju permalink

    Mein gro├čer Bruder! Es ist so sch├Ân von Dir zu lesen und zu wissen, da├č es Dir gut geht und die Fische bei├čen! Ich dr├╝cke Dich ganz fest in Gedanken und schicke Dir zum Geburtstag alles Gute, liebe Gr├╝├če und viel viel Gl├╝ck! Pa├č auf Dich auf, nicht zu doll mit dem hund knuddeln (creo que esto perro tiene pulgas) Tight lines, bussi juju
    P.S. Werden wir nicht alle irgendwann 29?

  9. Dominik permalink

    Hi Rolf,

    einfach unglaublich, deine Bilder und Geschichten dazu!! Versp├╝re so ein Zwischending aus “Saugeil! Colles Ding dreht der da!!” und “Neiiiid… Will auch!!”
    Bin ja mal gespannt, ob du ├╝berhaupt noch zur├╝ck nach Deutschland willst, wenn du inzwischen schon so heimisch in Argentinien bist ­čśë

    (Geburtstags-)Gr├╝├če ├╝ber den Teich
    Dominik

  10. Zipisco permalink

    feliz cumplea├▒os, amigo viejo!
    Neben Gesundheit und Gl├╝ck, w├╝nsche ich Dir nat├╝rlich vor allem viel Fangerfolg! Auf das Du die n├Ąchsten Tage den Fisch des Jahrzehnst aus dem Rio Grande ziehst – falls dies die letzen Tage nicht eh schon passiert ist.
    In Deinen letzten postings meine ich gesp├╝rt zu haben, dass Dich der “patagonian flow” inzwischen schon voll vereinnahmt hat, was nat├╝rlich sehr relaxed ist – ich sag nur ‘Oh my god a double rainbow all the way’.
    in diesem Sinne freue ich mich auf Deine n├Ąchsten Berichte
    Karsten

    P.S.: Wenn Du das n├Ąchste Mal l├Ąnger bei guter Verbindung online bist, k├Ânnen wir es ja mal mit skype propieren…

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