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@ the end of the world

Fuer Ushuaia hatte ich mir vorgenommen, alles mal ganz entspannt anzugehen. Es hat anscheinend geklappt, ich habe sogar den blog mit wegentspannt. Lieben Gruss an Juju, alles bestens 😉 danke fuer die Nachfrage. Keine Blockaden, just lazy…

Ich habe nicht wirklich viel unternommen. Etwas gibt es allerdings schon zu erzaehlen. Da ich gerade bereits wieder im Flieger (1,5h delayed, Ankunft gegen 01:00 nachts oder so, danke an aerolineas argentinas) nach BA sitze kann ich jetzt ja schoen eine Zusammenfassung schreiben.
Nach Ushuaia bin ich wieder mit einem einem Bus gereist. Netterweise gibt es keine Haltestelle und man wird direkt am Hotel abgeliefert. Bei mir das Galeazzi-Basilly B&B. Das ist eigentlich nicht wirklich ein Hotel. Es ist eher so, als wenn Du von jemanden im Haus ein kleines Zimmer zur Verfuegung gestellt bekommst und dann gibt er Dir noch die Schluessel zur Haustuer. Sehr lustig und sehr nett. Ich hab einer Australierin, die auch dort wohnte, beigebracht, wie man Mate trinkt und die Hausbesitzerin hat mit uns zusammen getrunken und war recht amuesiert, dass ein Deutscher nach Argentinien kommt und den Auslaendern das Mate-trinken erklaert. Das muss an dem Tag mit dem Skypemarathon mit Simona und Frank und den kids gewesen sein. Am Vortag bin ich etwas uebertrieben schnell im Nationalpark Tierra del Fuego auf den Cerro Guanaco marschiert. Der Grund fuer die Hektik war der verpasste Bus in der Frueh, gefolgt von einem verspaeteten Start und begrenzt durch das Skypedate das Frank und ich urspruenglich ausgemacht hatten. Die zeitliche Empfehlung des Parkes zum Cerro ist 4h oneway. Es geht auch in 3:15 hin und zurueck. Kostet dann aber zwei Tage brutalsten Beinmuskelkater, wirklich uebel. Und dann hat das skypen an dem Tag trotzdem nicht geklappt. Naja, eso es…

Jetzt bin ich im Flieger dummerweise eingeschlafen und wir befinden uns schon im Landeanflug. Mal sehen, ob ich in BA noch die Zeit finde das zu kompletieren. Ich habe aber morgen in der Frueh schon eine Einladung zum Fruehstueck und dann machen wir bestimmt Programm. Koennte also knapp werden.

Es ist kurz vor 3 nachts und in der Stadt herrscht eine unfassbare Hitze. In mein Zimmer kann ich erst, wenn die Klimaanlage das auf schlafbare Temperatur gebracht hat. Daher kriegt Vincent zumindest noch die versprochenen Pinguinfotos…

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und jetzt nehme ich mir dieses gute Beispiel und leg mich schlafen.

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Ushuaia@the end of the world

So ich bin angekommen am Ende der Welt auf der Suche nach Pinguin und Co. Ich werde die Sache hier mal ganz entspannt angehen. Angeblich habe ich sowieso zu viel Zeit vorgesehen. Das hat zwar noch nie gestimmt wenn mir das jemand fuer irgendwas, was ich hier gemacht habe prophezeit hat, trotzdem. Heute wird nichts aber wirklich nichts unternommen. Ich stell erst einmal das bereits Geschriebene online und ich hab Gelegenheit ein paar allgemeine Eindruecke zu erzaehlen.

Wind
In El Chalten und in El Calafate habe ich gedacht, dass das mit dem Wind nur Geschichten sein muessen. Es war quasi windstill und unheimlich warm. Beim Wandern habe ich geschwitzt wie sonst auf dem Mountainbike; kein Lueftchen hat sich geregt. Und die Fotos habe ich auch nicht in Photoshop gefaked wie mir die Argentinier unterstellt haben 🙂 Es war tatsaechlich vollkommen wolkenlos. Dann Rio Gallegos: 60km/h wehen konstant um dich. Das Fischen war wirklich hart. Aber wie so oft hat das Leben auch hier noch etwas mehr zu bieten. Der Wind, eigentlich wuerde ich eher von Sturm sprechen, in Feuerland umweht dich mit 70-80 km/h, an manchen Tagen sind es 100km/h. Leider hab ich kein schoenes Windfoto geschossen. Wenn es so blaest inkl. stellenweise jeder Menge Staub ist das so eine Sache dauernd die Kamera rauszuholen.

Man kann es auf diesem Foto vielleicht an meiner etwas buckligen Haltung erahnen, so zu stehen liegt nicht daran, dass ich das so bequemer gefunden hab.

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Wenn es flussabwaerts, nicht aufwaerts!, weht, erzeugt der Wind weisse Kronen auf den Wellen. Beim Waten habe ich einmal bis zum Bauch im Wasser gestanden und eine Boee hat beinahe meinen kompletten Oberkoerper ins Wasser gedrueckt. Am Abend wird es zum Glueck meist viel besser.

Fischen
Am Rio Gallegos war es schwierig. Die Bedingungen waren nicht gut und es waren wenige Fische im Fluss. Immerhin habe ich drei bekommen und dieses unglaubliche maennliche Tier mit dem typischen Haken am Maul war auch dabei. Ich kann also wirklich nicht klagen. Was passiert eigentlich mit den Fischen? Das jetzt fuer einen Nichtangler verstaendlich zu machen wird vermutlich schwierig, aber sie sind alle wieder im Wasser und sorgen dafuer, dass sie immer noch da sein werden wenn ich irgendwann hierher zurueckkomme. Haette ich am Rio Gallegos auch einen etwas kleineren um 3-4 Kilo gefangen, der zum ersten Mal in den Fluss kommt waere das Prinzip Catch and Release eher zu Hook and Cook geworden. Einen darf man dort rausnehmen. Leider fuer mich, oder zu seinem Glueck, ist mir ist mir kein Pfannenfisch begegnet. Einen mehrfach aufgestiegenen Fisch jenseits der 8-10 Kilo umzubringen ist was anderes, der soll lieber fuer Nachkommen sorgen so lange man keine wirkliche Verwendung fuer soviel Fleisch hat. Ich haette ihn nicht wie in Norwegen ueblich irgendwo raeuchern lassen koennen, das waere dann doch eine ernsthafte Option gewesen. Nur, sowas gibt es hier nicht. Tiefkuehlen und mitnehmen…geht auch nicht. Also sind die drei Fische vom Gallegos wieder unversehrt im Fluss und werden vermutlich keine allzu gute Meinung von mir haben.

Servus

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Am Rio Grande, auf den Lodges von denen es insgesamt sieben gibt, werden prinzipiell keine Fische entnommen. Zu Sylvester hatte ich trotzdem Sushi mit Searun trout. Es passiert von Zeit zu Zeit, dass ein Fisch die Fliege so tief schluckt, dass er sich stark an den Kiemen verletzt. Wenn das passiert nimmt man ihn mit. Das war in der Woche bei uns einmal der Fall. Der Fisch ist allerdings mit seinem Faenger nach Buenos Rios verschwunden. Mist hab ich gedacht, interessiert haette mich der Geschmack ja schon. Vor allem seit ich weiss, dass ein gewilderter 10kg Fisch in der Stadt fuer 150€ gehandelt wird. Das kann ja nicht so schlecht schmecken wenn die das hier zahlen… In der Woche davor haben die Guides auch genau so einen beim Fischen gefangen und schwer verletzt. Die mussten den allerdings der Lodge geben und Marcus hat ihn uns gestern serviert 🙂 Die schmecken tatsaechlich echt gut, aehnlich wie wilder Lachs. Falls jemand den noch nicht probiert hat, es ist in ungefaehr der Unterschied zu einem gekauften wie zwischen einem Tetrapackwein und einem guten Chablis. Bei Interesse empfehle ich einen Besuch bei mir in Muenchen. Eine immer kleiner werdende Menge vom diesjaehrigen Fang befindet sich noch dort.

Das Fischen am Rio Grande: Dieser Fluss ist anders als der Rio Gallegos. Das Land ist noch groesser, der Fluss noch weiter und der Wind noch windiger.

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Um hier zu fischen muss man in eine Lodge gehen, die normalerweise zu einer Estancia gehoert. Man kommt sonst nicht zum Fluss, das Land gehoert der Estancia und der Zugang ist im Normalfall nur den Gaesten gestattet. Die Estancia auf der sich die Lodge befindet ist riesig, das ist so ziemlich die Flaeche vom Saarland oder so. Zunaechst waren wir nicht sehr erfolreich. Am ersten Abend habe ich nichts bekommen und am ersten vollen Tag auch nichts. Aber die Tage danach…4, 1, 5, 1. Heute noch nichts (Nachtrag: es waren am Ende nochmal 2, also13 fuer die Woche). Hier ist gluecklicherweise die beste Zeit der spaete Abend und der liegt vor mir. Die Fische an der Angel sind (genau wie der Geschmack) auch vergleichbar mit dem Fang eines wilden Lachses der gerade aus dem Meer aufgestiegen ist. Wer das noch nie erlebt hat wird es vielleicht nicht wirklich begreifen Man muss gelernt haben, die Fliege zu werfen, um sie mit all dem Wind zum Fisch zu bringen, aber dann…die Fische nehmen die Fliege und rasen davon, springen bis zu zwei Metern in die Luft, wer versucht sie auf den ersten Fluchten zu stoppen wird seine Schnur zerreissen. Was mit diesen Fischen noch beeindruckender ist, ist der Biss. Um einen Lachs zu haken muss man vorsichtig die Rute heben, nachdem er etwas an der Schnur gezogen hat. Eine Seeforelle hier ist weniger zimperlich. Es ist manchmal fast wie ein Schlag. Der Guide gestern hat mir gesagt, er hat den Biss eines 18 Pfuenders bei mir beobachtet und mein ganzer Oberkoerper ist dabei mit einem Ruck ein Stueck Richtung Wasser gegangen.

Ein kurzer Stop bevor es losgeht, wie sieht es aus am Pool?

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Strike!

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und jetzt mit besonderem Gruss an Vince: Fischbilder

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Rio Grande IV

Heute gibt es nur Fotos… Es ist schon verdammt spaet, mal wieder.

Das Riverhouse
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Ein Kondor auf seinem Weg besucht das Riverhouse
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Gauchos bei der Arbeit

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Fischer unterwegs

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Rio Grande III

Meine Woche auf der Lodge endet bald. Heute ist schon der 31te. Ich habe nicht einmal gemerkt, dass die Tage vergehen. Gestern hat mich jemand nach dem Datum gefragt und ich habe behauptet, dass wir den 29ten haben und musste den Computer fragen welcher Tag ist…
Gestern sind auch die Argentinier abgereist und zwei Amerikaner sind gekommen. Ein Vater mit seinem Sohn. Das ist etwas schade, da die Fischerei mit Marcelo unheimlich nett war und ich die letzten Tage alleine jetzt nur mit dem Guide fische. Allerdings bietet das Leben einem dafuer auch ein echtes Highlight. Gestern morgen hatte ich den Fluss nur fuer mich, das gab es wohl seit dem Beginn der Zivilisierung von Feuerland nicht mehr oft.

Hans-Ruedi Hebeisen, ein sehr bekannter Fliegenfischer und Buchautor hat mir geschrieben, dass ich nicht so viel Zeit in Feuerland verbringen sollte, da das Land weniger interessant sei und es im Norden schoener ist. Den Norden kenn ich zwar nicht, aber eines weiss ich. Er kann auf keinen Fall falscher liegen mit seiner Meinung.

Unsere Tage sind einfach zu beschreiben. Um 8 stehen wir auf und gehen zum Fruestueck. Um 9 kommen die Guides und holen uns ab. Und wir fahren an den Fluss. Wir sind 6 also drei Zweiergruppen und verteilen uns entlang der A oder B- Sektion, welche taeglich wechselt. Um eins treffen wir uns an Riverhouse. Das haben sie hier gebaut, damit man nicht immer zwischen Lodge und Fluss hin und herfahren muss und es liegt direkt am Fluss. Waehrend wir die Zeit dort verbringen fliegen Kondore vorbei. Martin hat einen Snack angerichtet und fuer jeden steht ein Glas Wein auf der Bar. Danach wird gegessen und anschliessend kann man zur Siesta in eines der drei Zimmer mit je zwei Betten gehen. Das haben die Argentinier auch immer getan und dann bis kurz vor 6 geschlafen. Ich hab zunaechst ein wenig blog oder mail geschrieben und dann am Kaminfeuer gedoest. Es war wie in Anton nur tagsueber und mit dieser unglaublichen Aussicht.

Um 6 kommen die Guides zurueck, wir trinken Mate und Kaffee zusammen und es geht wieder bis Mitternacht zum Fluss. Wenn wir zurueck auf der Estancia sind, wartet Mariela auf uns mit einem Mitternachtsaperitiv. Fuer Karsten: Gestern nehme ich den ersten Schluck und denke, das kenne ich doch. Genial, es war ein Pisco Sour und ja, Mariela macht den auch mit rohem Ei. Ich habs den anderen aber nicht verraten 😉

So, es ist schon wieder 6, die Guides sind da und wenn wir zurueck sind wird Sylvester gefeiert. Vielleicht schaffe ich es, zumindest den Text online zu stellen. Bei Euch wird das neue Jahr dann auf jeden Fall bereits angefangen haben.

Daher wuensch ich Euch allen ein Frohes Neues Jahr und ich werde Euch alle wieder treffen um alles das zu erzaehlen wofuer mir hier zum Schreiben die Zeit fehlt.

Rio Grande II

Rio Grande als Stadt ist auch nicht wirklich empfehlenswert. Etwas schoener als Gallegos, aber auch eher so mas o menos, also zu deutsch naja. Ich bin am Nachmittag angekommen und habe Quartier im Hotel bezogen. Es ist recht nett und ziemlich ueberteuert. Wie ich herausfinde genauso wie alles andere auch. Zum Abendessen bin ich in einem der wenigen geoeffneten Lokale gewesen, habe ein milanesa, sprich Wiener Schnitzel (halb so gross wie in Muenchen und doppelt so teuer) gehabt und danach gings ins Bett. Den ersten Weihnachtstag habe ich ohnehin noch nie als besonders toll empfunden, es war also ein guter Tag zum Reisen. Morgen geht es zur Lodge. Ich habe kein einziges Foto geschossen, das sagt eigentlich alles.

2. Weihnachtstag
Um 10:00 holt mich Augustine, einer der Guides ab und wir fahren, nachdem wir 2 weitere Fischer am Flughafen eingesammelt haben, zur Lodge. Die Lodge befindet sich auf der Estancia Jose Menendez. Es nicht so weit weg von der Stadt aber komplett anders. Das Personal steht zum Empfang vor der Tuer und Mariela, die Managerin der Lodge begruest uns.

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Es gibt einen Kaffee, spaeter einen Aperitiv im Kaminzimmer und dann Mittagessen. Wir sind 6 Fischer, die anderen sind alles Argentinier, und haben einen Koch ohne Sorgen um seinen Arbeitsplatz. Martin koente morgen in jedem Sternerestaurant anheuern.

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Die Lodge/Estancia

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Nach dem Essen begruessen uns unsere Guides: Sean (aus Montana) Tomas und Augustine (beides Locals). Wir besprechen das Equipment, die Fliegen und machen uns dann fertig zum ersten Kurztrip zum Rio Grande wo wir den Abend verbringen werden.

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Um 23:00 sind wir zurueck in der Lodge zum Abendessen. Ich darf zwischen zwei Menus waehlen (bei sechs Gaesten!!!). Wir trinken Wein und machen Plaene fuer die kommenden Tage. Marcelo ist wie ich allein unterwegs und wir werden zusammen fischen. Die anderen sind in zwei Zweiergruppen gekommen, sind reisemuede und gehen direkt nach dem Essen ins Bett. Es fischen immer zwei mit einem Guide. Damit das mit Marcelo und mir beim Fischen auch gut klappt, feiern wir beide in meinen Geburtstag rein.

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Die Zeit zum Schreiben ist schon wieder vorbei, wir werden gleich abgeholt, aber ich hole die letzten Tage blogmaessig noch auf, vielleicht heute Nacht, tranquillo 🙂

Rio Grande I

Sunrise Rio Gallegos
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Gut, ich bin etwas in Verzug mit dem Blog, aber tranquillo. So heisst hier quasi alles womit man sich keinen Stress machen soll, was wiederum quasi alles ist was es ueberhaupt gibt
🙂
Fangen wir mal Heiligabend an. In der Frueh sind wir zum Fischen gewesen, um 5, ganz entspannt. Leider ohne Erfolg.Hugo baut die naechste Fliege

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Danach gings auf eine Estancia in der Naehe; der Eigentuemer hat Hugo ein cordero (Patagonienlamm) geschenkt, das am 25. auf den Grill kommt. Das muessen wir abholen.

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Den kompletten Nachmittag versuche ich erfolglos LADE zu erreichen. Das ist die hiesige Fluggesellschaft, welche mich zum Rio Grande bringen soll. Aber, man soll es nicht glauben, die gesamte Airline hat frei, keine Lust, whatever. Der Flug ist also nicht bestaetigt und soll am 25ten am Abend gehen. Wenn das nicht klappt sitze ich in Gallegos fest, ganz schlecht. Daher schlage ich schweren Herzens die Einladung zum cordero-asado aus und werde mich in der Frueh zum Busterminal begeben. Mist, aber eso es.

Abends Einladung bei Hugo: Zunaechst sind nur seine beiden Toechter da. Es gibt Polla al horno a la Hugo, wenn ich das richtig verstanden habe. Also Huehnchen vom Grill mit Extremknoblauch. Spaeter kommen noch Freunde vorbei und die lassen mich erst um vier nach Hause. Das ist ja auch kein Problem, der Bus geht erst um acht… Heiligabend wird hier eigentlich gar nicht richtig gefeiert. Man wartet statt dessen bis Mitternacht, wuenscht Frohe Weihnachten und schiesst dann Raketen in die Luft. Mal etwas Neues.
Die Busfahrt nach Rio Grande ist bedingt durch die verkuezte Schlafperiode des Vortages eher unbemerkt an mir vorbeigegangen. Man wird dreimal geweckt. Zweimal zum Uebertreten der chilenischen Grenze und einmal fuer eine Faehrfahrt, auf der man Pinguine und kleine Wale sehen konnte

Der Computer ist heute einfach nicht gut drauf, also nur ein paar Fotos ohne Kommentar. Mal sehen, wie es morgen geht. Ich muss los, spaeter mehr.
Faehrfahrt nach Rio Grande
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Rio Gallegos Roman

Dann fasse ich meinen bisherigen Aufenthalt hier in Rio Gallegos einmal etwas zusammen.

Zunaechst war am Busbahnhof das bestellte Taxi nicht aufzufinden. Also hab ich mir vollgepackt bis obenhin ein remise genommen. Das sind irgendwie Taxis in Form normaler Autos. Das System habe ich bisher auch noch nicht ganz verstanden, angeblich nehmen die Einheimischen lieber so etwas.

Auf dem Weg zum Hotel und dort angekommen war ich nach den Tagen in Calafate, was ungefaehr so lieblich und nett aussieht wie Banff in Kanada, im ersten Augenblick tatsaechlich etwas konsterniert. Anbei der Blick aus meinem Fenster….und ich wohne hier in einem schoenen Stadtteil.

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Ich habe dann eingecheckt und dabei erst einmal gar nichts verstanden. In Calafate und Chalten ist fast alles auch in Englisch machbar, wer jemals nach Gallegos kommt sollte das hier nicht unbedingt erwarten. Das hiesige Spanisch kann man auch wohl kaum in der Schule lernen. Naja, nach einigem hin und her und viel Gestikulieren war klar: Ich bin hier, um bis zum 25. zu bleiben (obwohl ich da beim Einchecken gewisse Zweifel bekommen hatte) und das bestellte Zimmer ist auch nicht vergeben. Noch bevor Zeit bleibt ins Zimmer zu gehen ruft auch schon Hugo, der Guide, an fragt ob ich gut angekommen bin und ob er ins Hotel kommen soll. Ich muss mich erstmal etwas sammeln und wir verabreden, dass wir uns am naechsten Tag treffen. Dann habe ich mein Zimmer bezogen und anschliessend einen Ausflug ins Zentrum unternommen. Was soll ich sagen, das hier ist wirklich nicht fuer Touristen gemacht worden. Zurueck im Hotel ruft Hugo nochmal an um zu sagen, dass er doch noch vorbeikommt. Wir sind noch einmal ins Zentrum gefahren, haben ein Bier zusammen getrunken und verabredet am naechsten Tag um 8:00 nach Bellavista zu fahren. Das ist eine Estancia, also ein riesiges Stueck Privatranch (ca. Luxemburg) ungefaehr 100km entfernt.

Bellavista
Die Landschaft ist unheimlich schoen dort und ich habe einige toll gezeichnete Forellen gefangen. Leider gibt es nur dieses eine Foto. Das Mittagessen war mit Treibholz gegrilltes Lamm inkl. Niere. Das moegen hier alle sehr gerne, hatte ich bereits zwei Abende zuvor in der Parilla in Calafate (kleiner Nachtrag fuer Karsten: es gab da mixed grill a la gaucho, also neben dem Bife auch diese komische Druese vom Rind deren Name mir gerade nicht einfaellt, Niere und Leber vom Lamm sowie geknotete Lammdaerme. Also bitte keine Beschwerden mehr, dass ich hier irgendeine der lokalen Koestlichkeiten auslassen wuerde. Vielleicht klingt es etwas komisch, aber geschmacklich hervorragend). Wir haben bis 23:00 gefischt un waren schliesslich um 01:30 wieder in Gallegos. Die Fotos aus Buenavista kennt ihr bereits.

Rio Gallegos Guer Aike
Wir treffen uns wieder am Hotel um 08:30 und fahren endlich zum Fischen auf die legendaeren Searun Brown Trouts.

Kurz zur Erklaerung an alle Nichtfischer. Das sind die gleichen Bachforellen, eigentlich die amerikanische Form, eben Brown Trout, die normalerweise im Fluss leben. Allerdings zieht ein Teil der Fische dann ins Meer und benimmt sich wie ein Lachs. Sie werden ganz silber und kommen nur noch zum Laichen in die Fluesse zurueck. Da es im Meer aber ungleich mehr Nahrung gibt werden sie riesengross. Das gibt es in dieser Form nur in Argentinien.

In Bellavista waren sie noch nicht, da sie erst gerade anfangen, aufzusteigen und daher noch in der Naehe des Meeres im Fluss sind.

Wir fahren also an einen Teil des Flusses in Meernaehe. Die allgemeinen Bedingungen zum Fischen sind ueberaus schlecht erfahre ich. Zu wenig Wasser und zu frueh, erst sehr wenige Fische im Fluss. Dazu kommt, dass ich dachte, einigermassen geschickt im Umgang mit der Fliegenrute zu sein. Das relativiert sich allerdings entscheidend, wenn einem 60 oder mehr Stundenkilometer Wind im Gesicht stehen. Fazit: Werfen geht fast ueberhaupt nicht (obwohl Hugo das irgendwie doch zu Wege bringt) keine Fische. Wir fahren ohne einen einzigen Biss wieder heim. Ich bin etwas mehr als ein wenig frustriert.

Der naechste Tag. Zu den bereits geschilderten Widrigkeiten kommt ein weitere hinzu. Die beste Zeit zum Fischen ist das Morgengrauen. Da wir hier sehr weit im Sueden sind findet das leider bereits um kurz nach 04:00 statt. Also geht es nach drei Stunden Schlaf wieder los. Fischereilich gesehen hat sich die Situation dadurch immer noch nicht verbessert, zumindest kann ich nach etwas Einweisung leidlich im Wind werfen. Zum Mittag fahren wir zurueck in die Stadt, um abends (die zweitbeste Zeit) weiter zu fischen. Am Ende des Tages bin ich sicher, die Forellen auf den Fotos werden mit dem Netz gefangen und den Fischern fuer das Foto ausgehaendigt. Bestimmt bringt mir Hugo morgen meine Fotoforelle mit…

Gestern. Wie gesagt, die beste Zeit ist das Morgengrauen. Es geht wieder um 04:00 los. Wir sind an einem Pool wo man am Tag zuvor bereits Fische springen sah. Und unfassbar. Mit dem ersten gelungenen Wurf des Tages fange ich eine. Das Aufstehen hat sich ja doch gelohnt. Mittags geht es wieder zurueck, leider ohne weiteren Erfolg. Am Abend fuehle ich mich leicht krank und irgendwie komplett ausgelaugt. Ich sage Hugo, dass ich diesen Abend nicht mehr fischen moechte und dass mir fuer den naechsten Tag 05:00 reicht. Um 22:00 liege ich im Bett und kann kaum fassen, dass die Nacht bereits vorbei ist als der Wecker um 04:40 klingelt.

Heute. Wir treffen uns um 05:00. Ich muss bevor es an den Fluss geht erst noch in die Apotheke. Nach drei Tagen Extremwind und stellenweise sehr intensiver Sonnenbestrahlung spuere ich ein Kribbeln in der Oberlippe. Super, ein Herpes ist genau das was man hier braucht. In der riesigen Reiseapotheke von BMW, die ich mit mir rumtrage fehlt ausgerechnet Zovirax und ich hab auch nicht mehr daran gedacht. Leider ist Zovirax auch nicht der argentinische Handelsname und der Apotheker will mir irgendwelche Pillen verkaufen (gesucht ist eine Salbe zum Auftragen auf die Lippen). Zum Glueck faellt mir noch ein, dass der Wirkstoff irgendwie Acyclovir oder so heisst und siehe da, das kannte er 🙂 So ich bin versorgt, alles wieder gut und auch kaum noch muede. Es geht also weiter. Heute sind die Bedingungen angeblich sehr viel besser, es ist verhangen, recht kuehl und im Ozean sehr hohe Flut. Dann kommen die Fische aus dem Meer in den Fluss. Gleiche Stelle wie am Vortag, dritter Wurf … Grandios…

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Ich schreib und schreib und habe ganz die Zeit vergessen, es ist 22:30, Abendessen ruft. Zeitmaessig bin ich wohl schon ein kleiner Argentinier geworden. Ausserdem bin ich hellwach trotz des fehlenden Mittagsschlafs (Einkaufen und mit ganz vielen Leuten reden, das ist hier Volkssport Nummer 2 nach Fussball, supernett). Das liegt wohl am Mate, den ich die ganze Zeit waehrend ich schreibe trinke.

Ich komm mal zum Ende. Fischereilich ist der Tag noch viel perfekter geworden, ich habe noch einen ca. 9-10 kg wiegenden Milchner sprich ein maennliches Tier gefangen. Hier sagen sie deutlich cooler “un macho” dazu.

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Dann haben wir noch einem sehr netten Hund das Leben gerettet, der uns bereits die letzten beiden Tage immer wieder begegnet ist und dem wir Teile unseres Fruehstuecks ueberlassen haben. Die Stelle an der wir Fischen ist ca. 30 km vor der Stadt, da ist so eine Art Wallfahrtsort und eine Estancia, wo man ihn wohl ausgesetzt hat. Die Leute von der Estancia haetten ihn bald erschossen (wegen der Angst um die Schafe) oder er waere verhungert, extrem duerr war er bereits. Wir haben ihn auf die Ladeflaeche von Hugos Pickup gepackt und zurueck in die Stadt verfrachtet. Man muss dazu wissen, dass es da vor streunenden Hunden wirklich wimmelt. Das System funktioniert so, dass die Hunde einfach herumrennen und ihnen jemand Futter gibt, sich aber ansonsten nicht kuemmert. Hugo wollte ihm auch Futter hinstellen, damit er fuer die ersten Tage weiss wo er was bekommen kann. Er hat es aber vorgezogen, von der Ladeflaeche zu springen, uns kurz anzugucken und dann fortzugehen. Mal sehen, ob er sich noch einmal blicken laesst.

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Jetzt ist wirklich genug fuer heute, morgen geht es noch einmal zum Fischen und dann bin ich zum Weihnachtsessen eingeladen.
Was soll ich sonst noch sagen, ich versteh die Leute mittlerweile hier, nachdem ich seit meiner Ankunft nur noch Spanisch geredet habe und ich habe sehr viele sehr nette Bekanntschaften gemacht. Ich finde es vollkommen normal, dass ueberall Hunde rumrennen und die Stadt das Rennen um das schoenste Dorf nie machen wird. Heute habe ich gelernt, wie man einen Mate richtig zubereitet und der Junior vom Hotel ist bei Bild vom letzten Fang neidisch geworden. Mir gehts fantastisch, vielleicht bleibt morgen noch Zeit die ein oder andere Nichtfischanekdote niederzuschreiben, das ist fuer die meisten bestimmt interessanter, aber wo das Herz von voll ist 😉 . Wenn nicht, Euch allen ein Frohes Fest.